Seismographische Untersuchungen [Update]

Vor rund zwei Jahren begann der Preis für Rohöl in einer Weise geradezu zu explodieren, die niemand zuvor für möglich gehalten hätte. Und in der Spitze wurden an den Spotmärkten für das Barrel fast 150 US Dollar bezahlt. Mittlerweile hat sich der Preis wieder deutlich nach unten bewegt, aber die zwischenzeitlichen Höchstmarken dürften den einen oder anderen in der Welt dazu bewegt haben, bisher unrentable Projekte neu zu überdenken, auch in Deutschland.

Photo Für den Kreis Plön und Kiel wurden bereits im vergangenen Jahr Untersuchungen angekündigt, die Aufschluss über mögliche Ölvorkommen geben soll. Und dass diese Untersuchungen bereits begonnen haben, konnte man unlängst den Kieler Nachrichten entnehmen, die über Schäden an Gebäuden in Dersau berichteten. Und dass die unterirdischen Sprengungen zum Teil für die in Dersau bemerkten Schäden verantwortlich sind, wollte heute ein Mitarbeiter nicht leugnen. Als Konsequenz habe man für kleinere Sprengladungen den Mindestabstand zu Gebäuden von 100 auf 200 und für größere von 500 auf 1.000 Meter jeweils verdoppelt.

Die Vorarbeiten haben in der Gemeinde Lehmkuhlen bereits im Dezember begonnen, aber die eigentlichen Sprengungen werden ab dem 8. Januar stattfinden und im Süden der Gemeinde beginnen. Bis ungefähr zum 20. Februar sollen alle Arbeiten in Lehmkuhlen abgeschlossen sein. Da die Trupps von Süden nach Norden arbeiten, dürften die Untersuchungen in den Bereichen um Trent und Lepahn bereits Ende Januar abgeschlossen sein.

Für das Denkmal Arboretum Lehmkuhlen und vor allem für den Friedhof Ruhepark Lehmkuhlen konnte erreicht werden, dass dort keine Bohrungen und Sprengungen stattfinden werden. Lediglich eine Leitung für die Übermittlung der Messdaten wird durch das Areal führen.

Neben der bereits publik gewordenen Gefahr für Gebäude wirken sich die Untersuchungen vor allem auf die Melorationen der Landwirte aus: Da die Sprengladungen in einer Tiefe zwischen 10 und 25 Metern gezündet werden, sind Bohrungen notwendig. Durch diese Bohrungen können Drainstränge beschädigt werden. Hinzu kommt, dass viele Drainagen weit über 60 Jahre alt sind und aus Ton bestehen. Für diese besteht die zusätzliche Gefahr, dass sie die seismischen Erschütterungen nicht aushalten und praktisch in sich zusammenfallen. Die Konsequenzen sind derzeit nicht abzusehen.

Eine weitere große Gefahr geht von den Untersuchungen für die Umwelt aus: Es existiert so gut wie kein Winkel im Untersuchungsgebiet, der nicht von dem 100x400-Meter-Raster erfasst wird. Auf Biotope, Röhrichtbestände, geschützte Horste oder andere äußerst schützenswerte Elemente in der Umwelt wird kaum Rücksicht genommen. Größere Tiere wie etwa das Schalenwild wird von den Trupps quasi durch den Kreis getrieben, kleinere Tierarten können den Trupps nicht ausweichen und stehen durch die Untersuchungen unter ständigem Stress. Die Sprengungen selbst dürften erhebliche Schäden an Bauen von Maulwürfen, Dachsen, Füchsen und Kaninchen sorgen, wobei bei zusammengefallenen Bauen mit Sicherheit ein Teil der Tiere verenden wird.

Es ist im höchsten Maße erstaunlich, dass es bisher in der Öffentlichkeit keinen Protest gegen die Untersuchungen gegeben hat. Denn um das Öl, um das es gehen könnte, kann die massiven Eingriffe in die Umwelt und die Eigentumsrechte der Bürger kaum rechtfertigen. 90 Millionen Barrel hört sich zwar viel an, stellen aber im weltweiten Markt nicht einmal einen Tropfen auf einen heißen Stein dar.

[Update 15.01.2009]

Wahrscheinlich nächste, spätestens übernächste Woche sollen die Untersuchungen im Raum Lepahn und Falkendorf beginnen, etwas später dann weiter nördlich in Rethwisch, Dammdorf und Bredeneek.

Derweil verdichten sich aber auch Gerüchte, dass das primäre Interesse der Untersuchungen nicht in den vermuteten 90 Millionen Barrel Öl, sondern in geeigneten (End-) Lagerstätten liegen könnte. Dabei sollte man nicht unbedingt an den ungeliebten Atommüll, sondern vielmehr an CO2-Deponien denken.

Bemerkenswert ist weiterhin, dass in dem sonst so lauten Blätterwald keine kritischen Bemerkungen über diesen wohl seit Gründung der Bundesrepublik größten ökologischen Eingriff zu lesen sind.

Schaden

Wie befürchtet ist es zu teils deutlichen Schäden an mehreren Gebäuden gekommen. Risse im Mauerwerk zeigen sich vor allem an Stürzen, am Schornstein und an der Verbindung vom Mauerwerk zum Dachstuhl und Mauerwerk und Boden-Decken-Konstruktionen. Darüber hinaus sind aber auch im Keller an den Gewölbedecken deutliche Haarrisse sichtbar.

Neben den Rissen zeigen sich auch noch kuriose Effekte. Eine Türzarge steht mehrere Zentimeter ab, eine Steckdose kommt aus der Wand heraus, Kassetten an Fenster- und Türzargen sind verrutscht und Tapeten sind in Ecken und an Verbindungen zu den Zargen gewellt.

Beunruhigend ist dabei, dass hier die Sprengungen bereits vor über zwei Wochen abgeschlossen wurden, die Schäden seither jedoch kontinuierlich zunehmen.

In ein paar Tagen ist nun der Termin mit dem Gutachter. Dann wird sich zeigen, wie mit diesen Schäden weiter zu verfahren ist.

Leserbrief an die Kieler Nachrichten

Die Kieler Nachrichten haben heute eine ganze Seite der Berichterstattung über die Ölsucher gewidmet [1, 2]. Hierzu mein Leserbrief.

Es ist schon bemerkenswert: Seit Oktober 2008 finden diese "Untersuchungen" statt, aber erst jetzt wird ein größerer Bericht veröffentlicht. Schade dabei ist, dass die Berichterstattung recht unkritisch eigentlich nur das wiedergibt, was seitens RWE-Dea vorgekaut wird. Einzig die Möglichkeit, dass es zu Schäden an Gebäuden kommen könnte, wird eingeräumt, wobei dies nach dem Artikel in den Kieler Nachrichten vom 15. Dezember wohl kaum jemand bestreiten möchte. Und nicht umsonst wurden nach diesem Bericht die Sicherheitsabstände zu Gebäuden verdoppelt.

Worüber jedoch keiner redet, sind die massiven Auswirkungen dieser Untersuchungen auf die Umwelt: Von den 100 Mitarbeitern bewegen sich viele fast täglich flächendeckend im Untersuchungsgebiet und sorgen für eine breite Beunruhigung der Tierwelt. Schwere Fahrzeuge werden abseits befestigter Wege an Stellen bewegt, die nun wahrlich nicht dafür geeignet sind. Und nur ein Teil der Bohrfahrzeuge verfügt über eine für solche Bewegungen im Gelände angepasste, breite Bereifung. Durch die 250 bis 1.000g Sprengungen, die bekanntlich Gebäude beschädigen können, werden auch Melorationen der Landwirte und Baue von wildlebenden Tieren bedroht, die durch die Erschütterungen zusammenfallen können.

Angesichts des umfassendsten ökologischen Eingriff der letzten Jahrzehnte ist das Schweigen von Presse, BUND, NABU und der UNB wahrlich nicht verständlich, stehen sie doch sonst in der ersten Reihe, wenn es um ein weggeworfenes Taschentuch geht.