Alljährlich steigen im Herbst die Zahlen der Verkehrsunfälle, an denen wild lebende Tiere beteiligt sind. Alleine im Kreis Plön sind es über 1.000 Unfälle jährlich. Zum einen sucht hier vorherrschende Damwild Ende September und Anfang August die traditionellen Plätze für die Paarung auf. Die von Hormonen gestressten Tiere verstärken dabei ihre Wanderschaft, die auch über Straßen führt, bevor sie sich im Oktober rund zwei Wochen paaren.
Auch die Gefahr durch Unfälle mit Schwarzwild steigt seit dem Sommer kontinuierlich an, denn durch die fortschreitende Ernte verlieren die Tiere einen Großteil der Deckung.
Grundsätzlich kann man übers Jahr verschiedene terminliche Schwerpunkte für eine erhöhte Gefährdung durch Wildwechsel ausmachen:
- Im Januar hat das Schwarzwild seine Paarungszeit. Bedingt durch die hormonellen Umstellungen sind die Tiere weniger vorsichtig und stellen für den Autofahrer eine besondere Gefahr dar. Beim Schwarzwild kommt hinzu, dass es ganzjährig große Strecken in einer Nacht wandert und zudem überwiegend nachtaktiv ist.
- Am letzten Sonntag des Märzes wird die Uhr um eine Stunde vorgestellt. Zwar haben sich die Tiere im allgemeinen an den Rhythmus des Menschen angepasst, aber Uhren tragen sie nicht. Deshalb brauchen Tiere circa zwei Wochen, bis sie die Umstellung angenommen haben. Das bedeutet vor allem Vorsicht für Pendler, die früh morgens zum Arbeitsplatz hasten, denn sie sind ja "eine Stunde früher" als sonst.
- Im April sucht sich das Rehwild seine Reviere. Auch hier kann es zu einem verstärktem Wildwechsel kommen.
- Ende Juli bis Mitte August hat das Rehwild seine Paarungszeit. Die Tiere bekommen in dieser Zeit von ihrer Umwelt nicht viel mit. Besonders an lauen Abenden ist Vorsicht geboten.
- Rotwild kommt in Schleswig-Holstein zwar selten vor, aber auch hier paart es sich im September. In dieser Zeit gilt in den betroffenen Regionen wachsam zu sein.
- Das Damwild dominiert zumindest den Kreis Plön. Es paart sich im Oktober, aber wandert bereits Ende September zu den traditionellen Orten. Vor allem während der Wanderung ist höchste Vorsicht geboten.
- Am letzten Sonntag des Oktobers wird die Uhr um eine Stunde zurückgestellt. Auch im Herbst haben die Tiere keine Uhren und brauchen fast zwei Wochen, um sich an die neuen Rhythmen des Menschen anzupassen. Das gilt vor allem abends.
- Im November finden traditionell viele Jagden statt. Das Wild wird dadurch stark beunruhigt und ist sehr nervös. Besondere Vorsicht gilt hier vor allem am Tage und während der Dämmerung sowie in Bereichen, in denen Schilder auf eine Jagd hinweisen. Auch Menschen, die mit Signalwesten durch die Landschaft wandern, sollten den aufmerksamen Autofahrer aufmerken lassen.
Das ganze Jahr aber kreuzen wild lebende Tiere die Straßen, so dass immer Vorsicht geboten ist. Und gerade nachts, wenn wenig Verkehr herrscht, steigt die Gefahr. Wenn man ein Tier auf der Fahrbahn sieht, heisst es natürlich bremsen. Dabei muss aber beachtet werden, dass der nachfolgende Verkehr nicht gefährdet werden darf. Je kleiner das Tier vor einem ist, umso weniger darf gebremst werden. Ausweichen sollte man jedoch auf keinem Fall, denn meistens wird der Unfall dann viel heftiger. Unfallschäden, die durch den Zusammenprall mit Wild entstanden sind, ersetzt in der Regel die Teilkaskoversicherung, die vom Baum nach dem Ausweichen allenfalls die Vollkaskoversicherung.
Im Falle eines Unfalls gilt das übliche: Unfallstelle absichern und gegebenfalls die Polizei informieren. Die kann auch den Kontakt zum zuständigen Jagdausübungsberechtigten herstellen, dessen Unterschrift vor allem für die Versicherung wichtig ist. Auch kann die Polizei oder der Jäger das Tier erlösen, sofern es bei dem Unfall nicht verendet ist. Mitnehmen darf man ein totes Tier übrigens nicht, denn das wäre Wilderei im Sinne des Strafgesetzbuches.
Kann man sein Fahrzeug sicher bremsen, so sollte das Fernlicht ausgeschaltet werden. Die Tiere werden geblendet und sind dann orientierungslos. Wenn die Sicherheit es erlaubt, kann auch das Abblendlicht ausgeschaltet werden, wobei es sich empfiehlt, das Warnblinklicht einzuschalten. Die Tiere sollte dann, vielleicht auch motiviert durch leichtes Hupen, die Fahrbahn wieder verlassen.
Grundsätzlich aber muss das ganze Jahr über mit Wildwechsel gerechnet werden, vor allem in der Dämmerung und dort, wo entsprechende Hinweisschilder zu finden sind. Die Schilder werden in der Regel aufgrund der Unfallstatistiken aufgestellt.
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