Die Probleme, die im Zusammenhang mit der Öl-Exploration der RWE-DEA im Kreis Plön stehen, beschäftigen ja nicht nur mich schon seit längerer Zeit. Nun aber wird wohl langsam deutlich, was sich hinter dem harmlosen Begriff 3D-Seismik verbirgt.
Nachdem zuerst im vergangenen Jahr aus Dersau und Ascheberg von Schäden in den Kieler Nachrichten berichtet wurde, tröpfeln seit Anfang des Jahres weitere Meldungen herein. Und heute war dann zu lesen, dass es in Schwentinental nicht nur Schäden, sondern offensichtlich auch Probleme bei der Schadenregulierung gibt.
Das gibt mir zu denken, denn sicher gibt es neben mir noch viele andere Geschädigte, wie beispielsweise das von Familie Neeth betriebene Hotel in Dammdorf.
Rechts kann man sehr schön erkennen, wie sich in der Ecke die Tapete wellt. Es sieht so aus, als würden sich die beiden Wände vertikal in unterschiedliche Richtungen bewegen, auch ein Bild, dass sich in vielen tapezierten Ecken zeigt, wobei die Wellen bei einer stärkeren Verschiebung aufreißen.
Die Zarge von der Tür hat sich im unteren Bereich gelöst und steht gut zwei Zentimeter ab.
Aber es gibt ja noch mehr. Links ist sehr schön ein kleiner, vielleicht ein oder zwei Millimeter breiter Riss im Sturz des Fensters zu erkennen. Die Stürze sehen fast alle ähnlich aus, so dass Langeweile aufkäme, würde ich sie alle abbilden...
In einem anderen Gebäude sind die Stürze der Fenster mit Kassetten verkleidet. Das nachfolgende Bild zeigt, was mit hölzernen Kassetten passieren kann:
Rechts ist deutlich zu erkennen, dass sich die Treppenkonstruktion am oberen Ansatz gelöst und um gut einen halben Zentimeter abgesackt ist. Nicht zu erkennen ist leider die horizontale Wanderung der Treppe um nochmals rund 5 Millimeter. Dafür zeigt das Bild links, wie die eigentlich fest eingebaute Treppenkonstruktion den Kräften entgegenwirkt.
In den verschiedenen Räumen zeigt sich dann an den Decken ein recht einheitliches Bild, wie auf den beiden folgenden Bildern unschwer zu erkennen ist. Horizontale Risse an dem Übergängen von Wänden zur Decke werden immer wieder von vertikalen Rissen gekreuzt. Häufig scheinen die vertikalen Risse dort aufzutreten, wo innerhalb der baulichen Strukturen unterschiedliche Massen miteinander verbunden sind (Wand/Decke, tragende Wand/trennende Wand, Wand/Dachstuhl etc.) Dabei werden bei den Fenstern und Türen fast alle Zargen zersplittert und selbst die Türen deformiert.
Begleitet wird das Schadbild von teils kuriosen Erscheinungen. So lösen sich Fuß- bzw. Scheuerleisten, Risse im Parkett, Steckdosen, die aus der Wand herausquellen und dabei reißen, Nägel, die aus Holzbalken herauswandern und Wellen und Dellen an Wänden und Decken hinter den Tapeten, die auf brüchigen Putz schließen lassen. Da drängt sich einem die Frage auf, was den eigentlich mit den ganzen Leitungen ist, die so hier und da durch ein Gebäude ziehen...
Was mir aber eigentlich Sorgen bereitet, mal abgesehen von einem zwei oder drei Millimeter breiten Riss im Keller (die Wand ist über 1,20 Meter dick), ist die Tatsache, dass die Setzungen nicht aufgehört haben, sondern sich der Zustand ständig weiter verschlimmert.
Nun heißt es: Warten auf den Gutachter. Zumindest die Entschädigung für die Flurschäden, die während der Untersuchungen entstanden sind, lässt mich im Moment positiv denken. Dort gab es kein Gezeter oder Gezerre, sondern es wurde sachlich und unbürokratisch, wie seitens RWE-DEA ja immer wieder betont wurde, verhandelt. Mehr graut mir vor den Monaten, wo täglich irgendwelche Handwerker in sämtlichen Räumen kriechen und krabbeln, um die Schäden zu beseitigen.
Begutachtet
Zwei Termine und gut drei Stunden waren notwendig, um vier beschädigte Gebäude und eine technische Einheit zu begutachten. Nun, viele hundert Fotos später, ist zumindest ein Zwischenstand erkennbar, der im Ergebnis aus meiner Sicht durchwachsen ist. Ärgerlich ist aber in allen Fällen, dass die Empfehlung lautet: "Warten Sie drei Monate, bevor Sie irgendetwas machen lassen". Drei Monate, in denen die Schadbilder weiter zunehmen werden, der Wohnkomfort ständig sinkt, aber außer sauren Gurken nichts zu machen ist. Aber im Detail:
Bei der technischen Einheit lässt sich der Schaden einfach durch eine neue Justierung der verschiedenen Maschinen und Motoren schnell, kostengünstig und zuverlässig beseitigten.
Ein Wohngebäude weist nur leichte Schäden auf, die sich mit relativ geringem Aufwand durch Maler- und Tischlerarbeiten beseitigen lassen. Die Arbeiten dürften höchstens zwei Wochen dauern, so dass sich die Unannehmlichkeiten in Grenzen halten dürften.
Bei einem zweiten Wohngebäude sind teils deutliche Schäden im gesamten Erdgeschoss sowie partiell im Dachgeschoss aufgetreten, die aber auch in maximal einem Monat beseitigt werden können. Und auch wenn die Sichtelemente eines Kamins massive beschädigt wurden (der verwendete Stein kann heute nicht mehr farbgetreu ersetzt werden), so ist doch die Statik des Gebäudes nicht beeinträchtigt. Zur Sicherheit werden noch sämtliche Wasser führenden Leitungen abgedrückt, also einem vielfach höherem Druck ausgesetzt, als dies normal der Fall ist. Eventuell beschädigte Wasser- oder Heizungsrohre werden in diesem Fall aufplatzen, so dass der Schaden dann auch behoben werden kann. Der Schaden an diesem Gebäude ist zwar schon beträchtlich, aber weitestgehend kosmetischer Natur und nicht substanziell.
Bei einem dritten Gebäude, einem Wirtschaftsgebäude, sieht das Schadbild schon anders aus. Die Risse spielen hier rein optisch eine untergeordnete Rolle, da alle Wirtschaftsgebäude relativ alt sind und über auch ältere Schadstellen verfügen. Dennoch wurde in einem zentralen Bereich ein Schaden festgestellt, der die Statik des Gebäudes beeinträchtigt und behoben werden muss. Konkret müssen im beschädigten Bereich neue Stützen und Träger eingebaut werden, da sich die vorhandene Konstruktion um mehrere Zentimeter verschoben hat.
Bei dem vierten Gebäude, einem Wohngebäude, ist der Schaden allerdings beträchtlich. Dem Gutachter zufolge sind bei dieser Exploration seitens der RWE-DEA keine vergleichbaren Schäden aufgetreten und die Schäden in Dersau und Schwentinental, über die in der Presse berichtet wurde, seien nicht im Ansatz vergleichbar. Ein vergleichbares Schadbild hätte der Gutachter zuletzt vor einigen Jahren in Bayern gesehen. Positiv ist einzig, dass die Statik des Gebäudes nach heutigem Kenntnisstand nicht beeinträchtigt wurde, so dass die Schäden durch geeignete Reparaturen beseitigt werden können. Allerdings werden diese Reparaturen, die jeden Raum des Gebäudes betreffen, mehrere Monate andauern. Auch kann es durch das auch hier vorgesehene Abdrücken der Heizungs- und Wasserleitungen zu weiteren Schäden kommen. Insgesamt dürfte die Beseitigung der Schäden an dem rund 200 Jahre altem Gebäude einen mittleren sechsstelligen Betrag ausmachen.
Um den Schaden der Höhe nach quantifizieren zu können, werden nun verschiedene Gewerke Angebote erarbeiten. Die Ergebnisse werden dann in das Gutachten einfließen, um den Schaden endgültig beziffern zu können. Ein Vorgang, der an sich noch einige Wochen andauern wird.
Die RWE-DEA hat bisher immer beteuert, dass sie Schäden schnell und kulant regulieren würde. Bisher, und die Flurschäden in der Forst sowie im Ackerbau sind bereits reguliert, habe ich eigentlich kein Indiz erkennen können, was gegen diese Aussage spricht. Nun werden erstmal die Angebote eingeholt, und dann wird man ja sehen. Insgesamt bin ich aber optimistisch, abgesehen von der ewig langen Belästigung durch die Wanderbaustelle im Haus...